Oh du selige Weihnachtszeit

Ich weiß, beim Thema Weihnachten gehen die Meinungen auseinander. Für die einen bedeutet es Liebe, Frieden, Feierlichkeit und Beisammensein mit der Familie, für die anderen ist es Stress, Konsumrausch und Urheber für Zoff und Zank.

Welcher von diesen Typen du bist, oder eher irgendwas dazwischen, vielleicht ist es dir auch völlig gleichgültig, ich weiß es nicht. Aber ich liebe Weihnachten und die Adventszeit und ich möchte dir gerne erzählen, warum.

Jedes Jahr vor dem ersten Advent treffe ich mich mit meinen Freundinnen zum Kränze und Gestecke Binden. Die Kinder spielen und die Mamas basteln, trinken Kaffee oder Tee und unterhalten sich. Das ist das schönste daran. Ich liebe dieses alljährliche Treffen.

Vor dem 1. Dezember räume ich auf, schmücke die Wohnung, stelle Lichter und Kerzen auf und koche den ersten Weihnachtspunsch. Außerdem verpacke ich 24 kleine Dinge in 24 kleine, liebevoll gepackte Päckchen, genauso, wie es meine Mutter für mich und meine acht Geschwister getan hat. Ich hatte eine geborgene Kindheit, doch bei 9 Kindern, kann man sich in etwa ausrechnen, wie viel Zeit meine Mutter für den Einzelnen gehabt hat. Dennoch hat sie immer Möglichkeiten gefunden, uns zu zeigen, wie lieb sie uns hat. Wenn wir morgens aufstanden und die vielen bunten Päckchen vor den schön geschmückten Fenstern sahen, dann glänzten unsere Augen, dann war Weihnachtszeit. Es ist eine meiner schönsten Erinnerungen. Dabei ging es nie um den Inhalt der Päckchen, den Zauber machte die Liebe aus, mit der sie gepackt wurden.

Im Dezember lese ich mit meinen Kindern all die wunderschönen Bücher und Geschichten, die ich selber so liebe und die für mich einen Großteil des Weihnachtszaubers ausmachen. Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, Petterson bekommt Weihnachtsbesuch, Weihnachten in Bullerbü, Pippi plündert den Weihnachtsbaum, das große Aufräumen von Katthult, Polly hilft der Großmutter, Hilfe die Herdmanns kommen und so weiter und so weiter. Ich liebe auch die alten Weihnachtsfilme, wie „Ist das Leben nicht schön“, ein alter Schwarz-Weiß-Schinken, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder „Kevin allein zu Haus“. In diesem Jahr habe ich einen neuen Schatz entdeckt: „Das Weihnachtsgeheimnis“ von  Jostein Gaarder. Meine Mutter hat es mir geschenkt. Sie liebt Bücher und ist immer auf der Suche nach den ganz besonderen Geschichten. Das Buch handelt von einem magischen Adventskalender, in dem ein kleines Mädchen ein Lämmchen verfolgt und zwar rückwärts durch die Zeit, bis zur Krippe von Bethlehem. Dabei kann man an 24 Tagen jeden Tag einen Abschnitt lesen. Mal etwas anderes als die üblichen Adventskalenderbücher.

In der Weihnachtszeit steht bei uns immer eine große Schale mit Nüssen und Mandarinen auf dem Tisch. Manchmal sitzen wir stundenlang einfach nur da und knacken Nüsse, pellen Mandarinen und hören ein schönes Hörspiel. Auch das Plätzchenbacken gehört mit dazu. Ich bin zwar immer auf der Suche nach gesunden alternativen. Mal gibt es rohe Plätzchen, mal glutenfreie, meistens vegane aber keine Plätzchen, das ist undenkbar. Es ist Zeit, die ich mit meinen Kindern habe. Würziger Duft, Kleckern, Schokoladenhände, Streusel auf dem Fußboden, Bleche voller Sterne, Herzen, Tannenbäume, Weihnachtsmänner und Nikolausstiefel und ganz viel Lachen.

Vorm Nikolaustag sind meine Kinder so aufgeregt, dass sie von ganz alleine beim Aufräumen helfen. Sie putzen ihre Stiefel und stellen für den Nikolaus liebevoll bepackte Teller auf, mit Nüssen, Birnen und Keksen. Sogar an den Apfel für das Pferd vom Nikolaus haben sie dieses Jahr gedacht. Und wenn meine Tochter dann den gefüllten Stiefel am Morgen sieht ruft sie: „Siehst du Mama! Das ist der Beweis, es gibt den Nikolaus!“ Ich schenke gerne etwas, was man gemeinsam machen kann, wie Karten für das Theater oder Kino.

Und schließlich kommt Weihnachten selbst. Mein Herz geht auf, wenn ich nur daran denke. Ich mache mir über die Geschenke viele Gedanken. Meistens gibt es wieder eine Sache, die man gemeinsam unternehmen kann, zum Beispiel Musical oder Ballett, und eine Sache, die sich die Kinder gewünscht haben. Wir feiern an einem Tag mit meiner ganzen Familie. Dabei kommt es nicht darauf an, an welchem der drei Tage das ist. Einen Tag vorher treffen wir uns bei meiner Mutter zum Saubermachen und Weihnachtsessen kochen. Seit Generationen essen wir immer das gleiche: Eine Tunke aus Lebkuchen, Wurzelgemüsen und Malzbier, dazu Brot und Sauerkraut. Es gibt bei uns viele Veganer und Vegetarier, so dass immer zwei große Töpfe bereitstehen. Den Tannenbaum schmückt meine Mutter am Morgen von Heilig Abend. Ich habe mich in diesem Jahr gegen einen Weihnachtsbaum entschieden, weil mein Sohn sich das gewünscht hat. Er hat ein großes Gespür für andere Lebewesen und die Bäume liegen ihm sehr am Herzen. Er hat zu mir gesagt, dass es ihn traurig macht, dass so viele Bäume an Weihnachten sterben müssen. Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich finde den Gedanken absolut unterstützenswert. Und ich finde ein Baum in der Familie reicht auch vollkommen aus. Am Feiertag treffen wir uns meist am Morgen (im Morgenmantel), trinken gemeinsam Kaffee und treffen die letzten Vorbereitungen. Wenn genügend Zeit ist, schauen wir zusammen „Ist das Leben nicht schön“. Gegen späten Nachmittag trudeln dann die Gäste ein. Seit ich denken kann, haben wir an Weihnachten auch Gäste da, die nicht direkt zur Familie gehören. Seit fast zwei Jahrzehnten kommen zum Beispiel meine beste Freundin, die muslimischer Herkunft ist, und ihre Brüder (die mit meinen Brüdern befreundet sind), zusammen mit Kindern und Partnern. Wir sind also immer weit über 20 Personen, viele Kinder und später am Abend kommen meist noch weitere Freunde und Verwandte dazu. Als erstes essen wir zusammen. Einige von uns sehen sich nur dieses eine Mal im Jahr und so gibt es immer viel zu erzählen. Überall brennen Kerzen und es duftet nach Malzbier, Glühwein und Gewürzen. Nach dem Essen räumen alle zusammen ab und dann kommt der schönste Teil des Abends: Die Bescherung. Da wir so viele sind, hat meine Mutter vor vielen Jahren beschlossen, dass wir uns nichts mehr gegenseitig schenken, sondern stattdessen wichteln. Allerdings auf eine ganz besondere Weise. Jeder kauft genau ein Geschenk mit einem Wert von maximal 20 Euro und bringt dieses verpackt mit. Jedes Jahr wieder bricht ein Wettstreit aus, um das originellste Geschenk. Alle Pakete werden in der Mitte des Tisches aufgetürmt. Dann geht ein Würfel reihum. Bei einer Eins und einer Sechs darf man sich eines der Geschenke aussuchen. Bei einer Drei wird ein Weihnachtslied gesungen. Wenn dann jeder ein Geschenk bekommen und ausgepackt hat, geht der Würfel fünf weitere Male herum. Bei einer Eins und einer Sechs darf man sich das Geschenk eines anderen aussuchen und dieser muss dann, ob er will oder nicht, mit einem tauschen. Da geht es immer zu wie im Casino und es kristallisiert sich schnell heraus, welches die begehrten Geschenke sind. Wir lachen, wir gröhlen und rufen, wir schreien und zanken und lachen noch mehr. Bei jeder Würfelrunde werden lautstark unliebsame Geschenke angepriesen und die Würfelergebnisse werden mit lautem Stöhnen oder Jubeln kommentiert. Hinterher habe ich meistens Bauchschmerzen vor lauter Lachen. Am Ende interessiert sich meist keiner mehr für die Geschenke. Jeder nimmt einfach das mit, was er gebrauchen kann, und manch einer, der während des Spieles noch ein Geschenk mit Händen und Füßen verteidigt hat, überlässt es hinterher bereitwillig einem anderen, der er es gerne bekommen hätte. Nach unserem Spiel lassen wir den Abend gemütlich ausklingen bei Kaffe, Tee, Glühwein, Sekt und schönen Gesprächen, meist bis spät in die Nacht. Manchmal bricht noch eine Delegation auf, um in den hiesigen Diskotheken Freunde zu treffen. Ich verlasse diese Abende immer mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl, mit Wärme und ganz viel Liebe. Dieses Gefühl hält lange vor und begleitet mich über das ganze Jahr.

Ich kenne viele, die gegen Weihnachten etwas einzuwenden haben und vieles Kritisieren. Ich kann das absolut nachvollziehen. Es wird zu viel Fleisch gegessen, zu viele Süßigkeiten und überhaupt viel zu viel gegessen, es bricht ein Kaufrausch aus und die Kinderzimmer werden überschwemmt, man fühlt sich gezwungen auf Friede Freude Eierkuchen zu machen, obwohl einem vielleicht gar nicht danach ist, das große Abholzen von Bäumen beginnt, die nicht selten mit Gift gespritzt werden, um die optimale Form zu erhalten. Es gibt vieles zu bemängeln und ich bin ebenfalls stets auf der Suche nach besseren Alternativen. Aber ich denke, solange man bewusst hinschaut und sich Gedanken macht, ändern sich die Dinge zum Besseren. Und es gibt auch so viel Schönes um die Weihnachtszeit. Menschen kommen zusammen, der eine macht sich Gedanken um den Anderen, die Kreativität sprudelt und in keiner anderen Zeit sind die Menschen so freigiebig und spenden so viel Geld. Irgendwie gibt es doch einen Geist der Weihnacht. Es ist das Fest der Liebe. Und die spürt man, wenn man genau hinsieht. Und letztendlich ist ein jeder selbst in der Verantwortung, was er daraus macht. Veränderung beginnt immer bei einem selbst. „Frieden beginnt in mir“ sagt schon ein wunderschöner Meditationsspruch.

Ich wünsche euch jedenfalls ein wunderschönes, verzaubertes, magisches, Liebesertränktes, warmes, feierliches und geborgenes Weihnachtsfest, voller Lachen, voller Licht, voller Liebe!

Alles Liebe,

Eure Laura

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